Generation 2.0 – Von der Unmöglichkeit, zufrieden zu sein

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IMG_2814[1]Morgens, 7 Uhr. Während mein Freund wahrscheinlich schon seinen 3. Kaffee getrunken hat, grummel ich vor mich hin und sehe nach 10 Minuten Snoozen ein, dass ich wohl doch mal aufstehen muss. Der nächste Schritt ist jetzt nicht das tatsächliche Aufstehen, sondern der Griff zum Smartphone. „Nur mal eben“ auf Twitter, Instagram und Co. geschaut, ich hätte ja während der Nacht unglaublich wichtige Ereignisse verschlafen können. 30 Minuten später stehe ich dann wirklich auf und habe eigentlich schon keine Lust mehr auf diesen Tag.

„Hotpantsverbot“, die Beziehungskrisen irgendwelcher Teeniestars und hunderte Hasstiraden auf den Postillion von Menschen, die das Wort Satire ihrem Wortschatz bislang noch nicht hinzufügen konnten, so oder so ähnlich sehen die „Informationen“ aus, die mir über die sozialen Kanäle vermittelt werden.

Von der Kunst, in allem eine Beleidigung zu sehen und der Einbildung, das schlimmste aller Schicksale erleiden zu müssen

Ich poste inzwischen kaum noch auf Facebook, jeder Beitrag, jede wohlwollend formulierte Kiritk wird zum Anlass genommen, seitenlange Ausführungen über die Verletzung der eigenen Gefühle und Ansichten zu verfassen. Konstruktive Gespräche erlebe ich zunehmend selten.

Liegt es an der Anonymität des Internets? Würden wir das Gespräch genauso führen, wenn wir dem Gegenüber in die Augen sehen könnten? Oder wollen wir einfach gerne beleidigt sein, fühlen uns wohl in der Opferrolle und zwar so sehr, dass wir über den Gegenstandpunkt nicht nachdenken, weil da ja was dran sein könnte und das wäre äußert unangenehm?

Jeder will irgendwo zeigen, dass er ein Held ist, das Richtige tut (und natürlich Fotos von seinen guten Taten direkt auf Facebook und Co. hochladen, damit auch alle mitbekommen was für ein altruistischer Mensch man doch ist) und die Lieblingsbeschäftigung ist es geworden, anderen Menschen ihre Fehler permanent unter die Nase reiben. Dass man selbst auch nicht so perfekt ist, wird einfach ausgeblendet, andere Menschen sind ja schließlich viel schlimmer.

Unzufriedenheit und Fatalismus als Lebenseinstellung

Eine Artikelreihe in der Zeit zum Thema Jurastudium wird zum Anlass genommen, dass tausende Studenten sich ausschweifend über ihre instabile geistige Verfassung auslassen, den Druck, der von allen Seiten ausgeübt wird verteufeln und sich eine kleine rosarote Welt wünschen, in der man für’s Klatschen und Trommeln einen Bachelor hinterhergeworfen bekommt.

Dass Vieles überholt und verbesserungswürdig ist, bestreite ich ja nicht. Aber hat man sich dieses Studium nicht selbst ausgesucht? War man sich nicht im Klaren, dass über 30% Durchfallquote bedeutet, dass man sich auch mal hinsetzen und lernen muss und ein Studium kein Selbstläufer ist?

Das lässt sich vom Jurastudium auf alle anderen Studiengänge ausweiten und sicherlich auch auf die meisten Berufe. Jeder findet in seinem Fachbereich die Arbeitsbedingungen am schlimmsten und kräht laut nach Reformen. Das Bewusstsein, dass man sich vieles einfacher machen kann und die meisten Probleme hausgemacht sind, existiert nicht.

Natürlich kann ich mich beschweren, dass ich Dinge lernen muss, die ich später nie wieder brauche (wie zum Beispiel Matrizenrechnung, vielen Dank an den Lehrplan der Oberstufe!) aber ich kann sie auch einfach lernen und mich damit begnügen, dass es nun einmal so vorgesehen ist und auch sicherlich irgendwo seine Berechtigung hat.

Natürlich kann ich mich stundenlang über die Ätzkollegin aufregen, oder mal auf die Idee kommen, dass sie mich wahrscheinlich auch genauso furchtbar findet, weil es auch an mir Dinge gibt, die andere Menschen wahnsinnig machen.

Natürlich kann ich es ungerecht finden, keine Gehaltserhöhung zu bekommen, obwohl ich gute Arbeit leiste und mich deswegen übergangen fühlen. Ich kann aber auch einfach zu meinem Chef gehen und fragen, wie er die Situation sieht und was er von mir noch erwartet.

Meckern hilft nicht, es löst keine Probleme, es verändert nichts, es bringt uns nicht weiter.

Aber Meckern ist bequem. Man kann sich in seiner Position wunderbar ausruhen und es unfair finden, dass das Schicksal einen so bestraft und die Erlösung nicht vom Himmel fällt.

Das andere Extrem: Alles meine Schuld!

Die Kunst, sich einfach mal zurückzulehnen und sich darauf zu besinnen, was im eigenen Leben wunderbar und gut ist, haben wir alle verlernt. Wenn wir uns nicht damit beschäftigen, wie ungerecht das Leben ist, tendieren wir zum anderen Extrem und suchen alle Schuld für das Unglück dieser Welt bei uns selbst. Niemand ist mehr stolz auf seine Erfolge, sondern analysiert in stundenlanger Kleinarbeit seine Fehler und stellt sich einen Selbstoptimierungsplan auf. Bei allem was man tut kommen diese Gedanken auf: „Veränder ich wirklich etwas? Könnte ich nicht noch mehr bewegen? Schaffe ich zu wenig?“ die darin resultieren, dass man resigniert und statt wenigstens etwas im Kleinen zu verändern, lieber gar nichts mehr verändert, um keinen Anlass für Kritik mehr zu bieten.

Zu diesem Typ gehöre ich leider auch. Die Freude über mein bestandenes 1. Staatexamen hat genau einen Tag gehalten, dann kamen die Zweifel. Die Note hätte wirklich besser sein können, diese eine Frage in der mündlichen Prüfung konnte ich nicht beantworten, obwohl sie wichtig war, meine Mitprüflinge waren alle besser vorbereitet, wäre ich an diesem einen Abend mal nicht in die Altstadt gegangen, sondern hätte dieses und jenes Urteil noch einmal gelesen und so weiter.

Ich wünsche mir manchmal einfach die Zeit zurück, in der jede bestandene Klausur Anlass für einen kleinen Freudentanz war, einfache Dinge wie schönes Wetter, nette Gesellschaft oder ein gutes Gespräch mich noch tagelang glücklich gemacht haben. All diese Dinge extistieren zwar noch, aber wahrnehmen kann ich sie nicht mehr, denn über all dem liegt der Schatten des Versagens, der Zukunftsangst und des Selbstoptimierungswahnes.

Hat die Generation 2.0 wirklich verlernt, glücklich zu sein? Ist das eine Sache, die sich mit zunehmender Lebenserfahrung einstellt oder verändert sich unser Bild nur durch die übermächtigen Onlinediskussion mit Menschen, deren Meinung wir sonst nie gehört hätten?

Exkurs: Eigentlich wollte ich einen Post über den Wandel von Freundschaften und Beziehungen im Zusammenhang mit Social Media und Co. und dem, mit der permanenten, weltweiten Selbstdarstellung verbundenen Optimierungszwang schreiben, merkte beim Schreiben aber, dass ich noch so viel mehr zu sagen habe.

Das Konzept eines „reinen“ Beautyblogs passt für mich schon länger nicht mehr. Ich mag es über Schminke zu schreiben, habe aber das Gefühl, dass das nicht alles sein kann. Es gibt so viel, was mich beschäftigt und ich will wissen, was euch beschäftigt! Mir fehlt der Austausch über wirklich fundamentale Dinge und die „Scheinwelt“, die einen in dieser Sparte ständig umgibt, ödet mich zunehmend an.

Wunderbare Beiträge, wie der von Barbara über Nachhaltigkeit, die genial geschriebenen Artikel von PinkPetzie oder Mirelas Gedanken zu Politik zeigen mir, dass ich mit meinen Wunsch nach weniger Oberflächlichkeit und Scheinwelt nicht alleine bin.

Dieser Beitrag ist gewissermaßen ein Experiment, aber so, wie ich den Blog in all den Jahren geführt habe, kann es für mich nicht weitergehen. Ich will mehr. Ich hoffe, ihr auch.

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11 Discussion to this post

  1. Talasia sagt:

    Also ein bisschen macht es mich schon traurig das zu lesen, zumal das alles wirklich so krass verallgemeinert klingt ^^ da ich weder vom einen noch vom anderen Betroffen bin, mit mir und meinem Leben zufrieden bin kann ich mich da so gar nicht mit identifizieren und ich kenne auch nur wenig Menschen, die da rein fallen würden. Ich muss sagen: zum Glück! Denn mir tut es so Leid für die Leute, die so unzufrieden sind, das ist wirklich sehr sehr schade. Einer guten Freundin von mir geht es glaube ich gerade so und ich wünschte immer ich könnte ihr etwas von meiner Leichtigkeit und Zufriedenheit rüber schieben.
    Auf jeden Fall spannend zu lesen und ich verstehe auch deinen Wunsch nach „mehr“ auf dem Blog, wobei das auch auf mich nicht zutrifft. Also ich lese schon gerne mal sowas, aber Beauty ist schon nach wie vor das was ich mir gerne angucke, einfach eben weil es doch recht „einfache Kost“ ist und ich mir sowas gerne anschaue. Für mich ist das jetzt auch gar nicht so „oberflächlich“ im negativen Sinne, sondern ich erfreue mich einfach an den hübschen Dingen der Beautywelt.

    • Jen sagt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar :)

      Natürlich trifft das nicht auf 100% der Menschen zu, aber es ist das, was ich tagtäglich im Austausch mit anderen erlebe und da sind solche Menschen nicht in der Minderheit.

      Ich weiß auch nicht, ob das Phänomen bei Studenten/Selbstständigen häufiger vorkommt, daran könnte es auch liegen.

      Beauty war bei mir immer „Ablenkung“ von meinen Paragraphen und Gesetzen, ich habe den Blog aber gegründet, als ich mit dem Studium angefangen habe und mich selbst mit ihm weiterentwickelt und genau das soll er auch wiederspiegeln. Mir ist klar, dass das nicht allen gefällt, aber dieses Risiko gehe ich gerne ein, wenn ich das Gefühl habe, dann mehr „ich selbst“ zu sein und offen über alles schreiben kann, was mich bewegt :)

  2. Pinkpetzie sagt:

    Lieben Dank für diesen wunderbaren Beitrag meine Liebe. Du weißt, ich kann ich mich schon lange nicht mehr nur mit Beautydingen beschäftigen und ich freue mich natürlich riesig, dass ich andere damit inspirieren oder zum Nachdenken bringen kann.
    Dass, was du schreibst, trifft leider viel zu häufig auf mich zu. Ich kann mich also sehr gut damit identifizieren. Als ich meinen Bachelor damals in der Tasche hatte, habe ich mich auch nicht wirklich lange gefreut, sondern ebenso mit Noten, dem Master und der Zukunft gehadert. Ist schon komisch, dass gerade unsere Generation sich häufig so schwer tut. All die Möglichkeiten, die einem offen stehen, sind am Ende vielleicht doch auch eine Belastung, das beste aus seinem Leben zu machen. Was auch immer das sein mag.
    Und natürlich auch ein riesiges Dankeschön fürs Erwähnen!!
    Liebe Grüße und einen wundervollen Tag wünsche ich dir

  3. Mirela sagt:

    Danke dir für deine lieben Worte, es freut mich so sehr, dass mein Beitrag bei vielen gut ankam, trotz der Zweifel die ich kurz vorm Drücken des „Veröffentlichen“-Buttons hatte. Gut, dass ich noch einen Freund habe drüberlesen lassen, denn er meinte ich soll ihn unbedingt online stellen :)

    Ich würde mich auf jeden Fall darüber freuen „mehr“ zu lesen, ich finde Beauty zwar immer noch spannend, habe aber in den letzten Monaten gemerkt, dass ich mich einfach nicht mehr so intensiv damit beschäftigte. Ich habe meine Lieblinge und es kommt selten irgendwas dazu, was mich umhaut oder ein neues Produkt auf den Markt, das ich unbedingt haben möchte.

    Zum Thema Unzufriedenheit kann ich nur ein Lied singen, ich glaube das gehört einfach zu unserer Generation. Immer mehr, immer weiter und immer perfekter.

  4. Jenny sagt:

    Vielen Dank für diesen Post, der mir so sehr aus der Seele spricht.
    In letzter Zeit habe ich immer mehr das Gefühl, dass die Zeit so schnell zwischen meinen Fingern verrinnt, dass ich gar nicht mehr hinterherkomme, das Leben wirklich zu genießen (was mit Sicherheit auch mit meiner anstehenden Bachelorarbeit zusammenhängt). Und gleichzeitig sind da immer „die Anderen“, die offensichtlich das Leben so sehr genießen, die in der Welt herumreisen, die ihren Platz gefunden haben, ihren Traumberuf und ihren Partner fürs Leben. Und dann bin da ich. Die sich so irgendwie durchs Studium gewurstelt hat, und nach bald 9 Semestern nicht nur die Regelstudienzeit bombastisch überzieht, sondern keine Ahnung hat, was denn dann nach dem 28.8. (Abgabe BA) so alles passieren wird. Denn was ich will, weiß ich nicht.
    Das alles schreibe ich nicht, weil ich mich darüber beschweren will oder um eben zu meckern. Ich schreibe das alles, weil man doch durch die heutige Selbstdarstellung der Menschen um einen rum eigentlich unweigerlich das Gefühl haben muss, nichts zu können. Jeder stellt nur tolle Bilder von sich auf Instagram, schreibt in facebook was er Tolles erlebt hat. Und an diesem vollkommen verzerrten Realitätsbild orientiert man sich dann und ist entweder total unzufrieden (so wie ich) und kann nicht mal mehr die tollen Momente schätzen, genau wie du schreibst. Ich glaube aber auch nicht, dass diejenigen, die in den sozialen Medien ihr high life ausbreiten, wirklich so glücklich sind. Denn vielleicht geht es denen ja genauso wie uns, eigentlich gar nicht so toll?
    Ich glaube, alles im Leben passiert aus einem Grund. Wieso ich eben diesen Weg gegangen bin, der weiß Gott weder der Einfachste noch der Geradlinigste war. Aber man muss doch auch nicht immer von vorneherein wissen, wo die Reise hingeht. Man fühlt sich genötigt, Entscheidungen zu treffen, immer zu wissen, was man will. Aber am Ende kommt es doch sowieso anders als man denkt, und dann hat man sich den ganzen Stress, sich entscheiden zu müssen umsonst gemacht.
    Ich glaube, man sollte zum einen mehr auf sich selbst schauen, und weniger auf Andere. Und wenn man auf andere schaut, dann nicht nur auf deren Instagram- oder facebookprofil, sondern auf das große Ganze. Denn dann sieht man auch die unschönen Dinge am Anderen, die aber genauso zu einem gehören.
    Zum Anderen finde ich, dass man einfach mehr versuchen sollte, sein Leben zu leben. John Lennon hat mal gesagt „Life is what happens to you while you are busy making other plans“, und genauso empfinde ich es auch.

    Ich finde es super, dass du deine Gedanken zu diesem Thema mit uns teilst, und würde mich in der Zukunft über mehr solcher Beiträge freuen. Und noch mehr freue ich mich über konstruktive Kritik und angeregte Diskussionen, in denen die Meinung des Anderen respektiert wird :)

    Liebe Grüße,

    Jenny

    • Jen sagt:

      Liebe Jenny,

      tausend Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
      Ich bin froh, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin und diese Art von Beitrag so gut ankommt :)

  5. Paola sagt:

    Ein wirklich schöner, treffender Artikel. Ich empfinde es auch so, dass die Menschen sich immer mehr beschweren. Nagut, früher, ohne FB und Co. hat man ja auch einfach nicht mitbekommen, worüber sich andere aufregen. Ganz schlimm finde ich es bei Instagram wenn die Leute sich in den Kommentaren so sehr zerpflücken. Da kann nicht einer / eine mal eine andere Meinung haben, so jemand wird von den „Fans“ der ein oder anderen bekannteren Bloggerin direkt fertig gemacht.
    Mir macht der „ich-Trend“ Angst. Die Menschen sind immer ich-bezogener und meinen sich sehr viel raus nehmen zu können, ein Anrecht auf vieles zu haben. Ein Beispiel ist auch die Fahrweise vieler Autofahrer. Mal einen „reinlassen“ oder mal einen Moment Geduld haben, wenn der Wagen am Berg nicht anfährt oder jemand an einem Kreisverkehr ein bisschen zögerlich ist? Pustekuchen. Hupen, wild gestikulieren… dicht auffahren, schneiden… Was soll sowas? Mit so viel Zorn verdirbt man sich doch auch selbst das Leben. Oder aber beim Busfahren: wer weiß denn wirklich noch vor lauter auf das Handy gestarre, wer vielleicht sogar Tag für Tag neben einem sitzt? Ich kann mich da aber nicht ausschließen. Versuche aber, an mir zu arbeiten. Den Sitznachbarn mal anzulächeln, vielleicht auch mal eine Antwort zu geben, wenn zwei sich unterhalten und eine allgemeine Frage haben. Sowieso versuche ich den Menschen in die Augen zu schauen, der Verkäuferin einen schönen Tag zu wünschen usw. Sich wirklich wieder aktiv über Dinge freuen, mal lächeln. Es ist erstaunlich, dass ein Lächeln wirklich auch positive Gefühle in einem auslöst.

    Also: gerne mehr solcher Artikel!

  6. Amelie sagt:

    Ein toller Beitrag! Mir fiel bei dem Thema „immer nur meckern, aber nichts selbst verändern“ direkt meine Berufsgruppe ein. In der Pflege läuft sehr vieles verkehrt, sei es nun die Bezahlung, die Arbeitszeiten, die fehlende Wertschätzung oder was auch immer. Aber viele dieser Probleme sind hausgemacht. In meinem Studium zum Lehrer in der Pflege haben wir uns dieses Semester auch mit diesem Thema beschäftigt unter dem Fachbegriff Kuration und Kompensation. Und auch dort merkt man eben, dass die Pflegekräfte an ihrem Dilemma schuld sind. Man ackert sich krumm, nimmt alles vor den höheren Ebenen stillschweigend hin, aber sobald der Pflegedirektor weg ist, meckert man los. Wieso kann man sein Schicksal denn dann nicht in die Hand nehmen? Weil man zu faul ist oder Angst vor Kündigung oder ähnlichem hat. Viele Kollegen meinten schon im Hinblick auf das Thema zu mir, dass sie nach ihren 12 Wechselschichten am Stück einfach kein Elan mehr hätten, dann noch einen auf Revoluzer zu machen und die Konditionen im Beruf zu ändern. Kann ich versthen, aber dann darf man eben auch nicht meckern. Eine Zwickmühle…
    Und genau so geht es bestimmt auch vielen anderen Berufsgruppen. Ich neige auch oft dazu einfach lieber zu meckern, statt was zu machen.
    Im letzten Semester habe ich eine Prüfung nur mittelmäßig bestanden und habe mich im Nachhinein furchtbar geärgert, ich weiß aber, dass es an mir lag, weil ich wirklich zu faul war. Dennoch möchte ich das soziale Umfeld auch in der Prüfungszeit nicht missen. Natürlich gehe ich weniger in die Stadt, feiern oder weiß der Geier, aber diese wenigen schönen Stunden sehe ich nicht als Grund meiner Misslingens. Das darfst du auch nicht tun! Gerade das ist etwas, was einen aufbaut! :) Man muss auch mal abschalten.
    Und das mit dem Handy kenne ich auch. Morgens nach dem Aufstehen direkt das Ding in der Hand und 30 Minuten „verschwendet“ und abends vor dem Schlafen auch noch einmal 30-60 Minuten „verschwendet“, denn sind wir mal ehrlich… Verpassen wir wirklich wichtige Dinge, wenn wir mal 8 Stunden nicht online sind? Selten.. Ich versuche wirklich wieder davon wegzukommen, ertappe mich dann aber doch immer wieder abends im Bett liegend und auf Instagram surfend.. Dann ärgere ich mich wieder über mich selbst und über die verlorene Stunde Schlaf, denn der Wecker klingelt so oder so gnadenlos zur bestimmten Uhrzeit.

    Abschließend bleibt mir zu sagen, dass ich immer weniger Lust momentan auf Beautyblogs oder ähnliches habe. Es ist mir irgendwie zu stumpfsinnig geworden. Zu oberflächlich, wie du ja auch schon sagtest. Instagram wimmelt auch nur noch von ach so tollen und exklusiven Urlauben und Events, mit denen man den anderen die Nase lang machen möchte.. Ich erinnere mich da immer gerne an eine Story, bei der ein Mädel auf Facebook exklusive Urlaubsfotos von sonstwo gepostet hat und wie toll ihr Urlaub wäre, dabei wurde sie wenige Stunden später beim Arbeiten an der Supermarktkasse gesehen. Haben wir es mittlerweile so nötig?!

    Ich freue mich weitere dieser Postings bei dir zu lesen :)
    (und sorry für die ewig lange Abhandlung :D)

  7. Jen sagt:

    Ein paar sehr interessante Gedanken, wobei ich es persönlich etwas anders formulieren würde: Nicht die Nicht-Zufriedenheit ist das Problem, sondern die tatsache, dass man seine Zufriedenheit selbst nicht mehr erkennen kann. So wie du sagst: Examen gemacht, aber statt zufrieden und stolz auf einen universiäten Abschluss zu sein denkt man direkt weite oder überdenkt die Situation: Was wäre wenn ich dies und das anders gemacht hätte, wäre ich dann noch besser? Das Leben selbst ist der größte Prozess, den es gibt, und unter diesem Licht sollten wir auch uns selbst und unsere Errungenschaften betrachten: Zufriedenheit und Perfektion, das gibt es nie zu 100%, man kann aber jeden Tag daran arbeiten, aus dem Tag die höchste Prozentzahl an Glück und Zufriedenheit herauszuholen. Und darüber nachdenken, was zu den 95, zu den 80 oder den 99% heute geführt hat und eben nicht, was bis zu 100% gefehlt hat. Da muss ich mich aber ganz klar auch an der eigenen Nase fassen, denn oftmals ist es eben einfacher, pessimistisch zu sein.

    Was mich persönlich betrifft: Mein Blog ist mein kreatives Profil, auf dem ich Dinge teile, für die ich privat keine Zuhörer finde: Beautykram, da hat keiner aus meiner Familie oder von meinen Freunden wirklich Bezug dazu. Ich genieße es auch, über schöne Dinge zu schreiben, mich etwas Positivem zuzuwenden und die Dinge, die mich auf politischer, psychologischer, sozialer usw. Ebene beschäftigen, die mache ich privat mit mir und mit den Leuten aus, denen ich vertraue. das ist (für mich persönlich) nichts, was ich auf meinem Blog teilen möchte, zumal ich als Person auch gerne (was mein Gedankengut und meine Einstellungen angeht) anonym bleibe.

    Dennoch möchte ich mich in Zukunft auch einigen andere Themen auf dem Blog widmen, die mir gerade im Kopf herumschwirren: Ein wenig Interior, ein bisschen Mode… nur ab und an, wenn ich Lust habe. Ich möchte nicht nur in eine Schublade passen, weil ich, wie jeder Mensch, sehr viele verschiedene Facetten besitze. Solange ich mich wohl fühle mit dem, was ich tue, und mir auch mal sage: Du hast schon so viel erreicht, sei doch einfach mal zufrieden für heute, darf es gerne so weitergehen :)

    Ich lasse dir liebe Grüße da
    Jen

  8. Sandri sagt:

    Erstmal vielen Dank für deinen Beitrag! Er spricht mir sehr aus der Seele und ich werde mal versuchen, meine Gedanken darüber zu verfassen.

    Ich verspüre oftmals diesen Zwiespalt bei Instagram. Ich poste ein privates Bild, über Musik, über Lyrik, Dinge, die mich beschäftigen. 5 Follower weniger. Am Anfang hat mich das noch geärgert und ich dachte, okay, du musst dich auf Beauty fokussieren. Das wollen die Leute sehen. Von diesem Gedanken kam ich, Gott sei Dank, im gleichen Moment ab. Wenn ich das Gefühl besitze, ich möchte ein neues Buch zeigen, weil es mich berührt hat, dann mache ich das. Klar freue ich mich über nette Kommentare, Follower und Anfragen – aber letztendlich mache ich das alles, weil es mir Spaß macht und mich erfüllt.

    Deine Erfahrungen mit den Beleidigungen, Unzufriedenheit und Neid anderer Menschen kenne ich zu genüge. „Menschenhasser“ ist vielleicht das falsche Wort, aber ich bin mittlerweile so eingestellt, dass ich nur noch mein Leben so lebe, wie ich es will und nur noch sehr wenige Menschen wirklich nah an mich ranlasse bzw. in diesen Kreis. Die Meinung und das Leben und das Verhalten anderer Menschen ist mir zunehmend egal geworden, weil ich mich weder von ihnen runterziehen lassen möchte, noch negativ beeinflusst werden möchte. Das ist für mich persönlich ein guter Weg, mein Ding zu machen und mein Glück zu finden. Ich kann und will nicht jeden retten und für jeden da sein. Das habe ich in der Vergangenheit versucht, es hat mich aber nur von meinem Weg abgebracht.

    Dadurch bin sehr an mir gewachsen. Kommentare wie, „Das ist aber viel Schminke“ oder „Mach dir doch nicht so dunkle Lippen“, hätten mich früher in Zweifel versinken lassen. Heute klatsche ich mir tagsüber blaulila Lippenstift drauf, einfach weil es mir gefällt. Wenn man dann angeschaut wird, fühle ich mich nicht mehr unwohl, sondern empfinde eher sowas wie Mitleid, weil ich denke – Schade, dass man in seinem eigenen Leben, welches einmalig ist, nicht die Stärke besitzt, tun und zu lassen, was man möchte.

    Vielleicht habe ich mich jetzt ein wenig verrannt, aber ich kann mittlerweile sehr gut Negatives (bzw. negative Menschen) aus meinem Blickwinkel ausblenden und gehe meinen Weg. Die Zeit ist zu kurz um sich über alles und jeden aufzuregen. Diese Einsicht und Umsetzung (welche viel schwerer ist) wünsche ich allen :).

  9. K.ro sagt:

    Auf viele trifft das sicher zu, was du da schreibst und es ist auch wirklich gut geschrieben.
    Bei mir passt da das wenigstes. Ich hab nicht den Drang morgens 30 Minuten lang alle Social Media Punkte zu checken, da bin ich lieber früher im Büro.
    Ich fühl mich nur extrem selten beleidigt. Viele Menschen haben’s einfach nicht drauf mit der Formulierung oder treten völlig unbeabsichtigt in ein Fettnäpfchen. Passiert. Eine ehemalige Freundin hatte das ständig, deshalb bin ich ziemlich resistent und toleriere/ignoriere Sprüche von anderen und besonders von Fremden. Und wenns um mein Aussehen geht? Schminke kann man Abwaschen und haare kann man anders färben. Schlimmer geht’s immer. Ich bin auch für 2 sehr, sehr gute Freunde unfassbar dankbar. Ohne die 2 wäre einiges schief gelaufen. Manchmal knallen wir uns gegenseitig die eigene Doofheit sowas von direkt vor den Latz aber genau das tut oft gut. Ich seh nie was böses in Kritik. Fühl mich zwar verletzt wenn sich derjenige echt beleidigend ausdrückt aber das ist die Meinung von demjenigen. Ich kann sie mir zu Herzen nehmen oder anderer Meinung sein. Punkt. Das ist doch der Sinn von Toleranz, oder? Man kann sagen was einen nervt und alle anderen Meinungen werden akzeptiert.
    Wenn aktuell alle mit Achselhaaren und ohne BH rumrennen wollen, bitte. Viel Spaß damit. Solang mich keiner bekehren will oder mir sagt ich mach das um anderen zu imponieren ist alles gut.
    Das schlimmste ist einfach dass selbst Lebenseinstellungen zu Trends werden und man diese überall aufgezwungen bekommt.
    Alle wollen Individuell sein und doch sind alle gleich. Und alle die etwas kritisieren sind neidisch. Ganz schlimm bei Personen. Da wird gefragt wie man jemanden findet und wehe man sagt dass man ihn/sie nicht mag. Sofort ist man neidisch. Ja ich bin aber leider nicht neidisch darauf wenn mir meine Eltern alles in den Hintern blasen, oder ich zwar aussehe wie ein Topmodel aber dafür dumm wie Brot bin. Ich find manchem Menschen einfach Kacke.

    Wenn ich zu wenig verdiene dann geh ich zum Vorgesetzten und sprech es an. KOMMUNIKATION ist das stichwort. Mir platzt aktuell im Büro regelmäßig der Kragen. sämtliche Kolleginnen die schon 10-20 Jahre da sind meckern über irgend etwas. Man könnte meinen sie kriegen ihre Ärsche mal hoch aber nö, es wird nur rum gezickt und gemeckert. Wenn ich ein Problem habe geh ich zu meinem Chef, wenn er nichts unternimmt geh ich eine Instanz höher bis ich halt irgendwann mal beim Betriebsrat oder der Geschäftsleitung sitze. Mich frisst doch keiner wenn ich was Frage, eine Idee vortrage oder etwas ändern möchte.
    Immer dieses Selbstmitleid, da könnt ich ausrasten!

    Dieses „hätte besser sein können“ musste ich mir ganz mühsam abtrainieren und ich mag Lob von anderen immernoch nicht. Bei mir kommt das von den Eltern. Da kam eben immer der Spruch „könnte besser sein“. Unzufrieden war ich trotzdem noch nie mit einer Leistung. Wenn ich sie gut fand, war sie gut. Es geht um MICH, ob ich es besser machen will nicht darum was andere denken.

    Ich freu mich oft über die dämlichsten Kleinigkeiten. Vor über einer Woche hatte ich Besuch von einer wichtigen Person und seitdem hab ich permanent gute Laune.

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